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Ein letzter Blick aufs AVB

 

 

Seit dem Juli 2019 befindet sich das alte Draht und Seil Werk "Anton vom Braucke" im Abriss. Fast 140 Jahre stand es nun in dem Hemeraner Stadtteil Ihmert. Lange jedoch nur noch als Ruine. Mit freundlicher Genehmigung der Stadt Hemer durften wir nun noch einen allerletzten Flug über das Gelände wagen. 

 

 

 

Ein paar Hintergrundinfos zum Anton vom Braucke Gelände:

 

Historische Entwicklung des "Adolf vom Braucke" Das Plangebiet liegt im Stadtteil Ihmerterbach im südlichen Bereich der Stadt Hemer. Im Tal des Ihmerter Baches haben sich im 19. Jahrhundert Stahl verarbeitende Betriebe angesiedelt, die das Bachwasser zu Kühlzwecken genutzt haben.

Aus dieser Zeit stammt die Industriebrache Adolf vom Braucke (AvB). 1880 wurden die „Draht- und Seilwerke Adolf vom Braucke“ durch den gleichnamigen Unternehmer gegründet. Anfangs betrieb er in einem Anbau an das Gebäude der Firma Wilhelm vom Braucke eine Verzinnerei und Verzinkerei. Ab 1890 stellte er gewalzte und gezogene Drähte her und kaufte das Gelände gegenüber, auf dem er die Firma „Adolf vom Braucke“ erbaute. Hier wurden eine Eisendraht- und eine Gussstahlzieherei für verzinkte und verzinnte Drähte errichtet, eine leistungsstarke Dampfmaschine wurde angeschafft und ein Patentierofen, eine Drahtbeize und -wäsche wurden angelegt. 1919 hatte der Betrieb schon 120 Beschäftigte und einen eigenen Gleisanschluss der Kleinbahn. 1925 wurde die Dampfmaschine durch Elektromotoren ersetzt und die ersten Mehrfachziehmaschinen eingesetzt. Ab 1930 wurde ein Drahtseilwerk angegliedert und zwischen 1934 und 1941 weitere Mehrfachziehmaschinen aufgestellt, zwei Elektro- Patentieröfen installiert und die Verzinkerei vergrößert.

 

Zeitzeugen berichten, dass das Gebäude in den Jahren des zweiten Weltkriegs als Wehrmachtsdepot genutzt wurde und unter anderem Motoren in dem Firmengebäude gelagert wurden. Im Kriegsverlauf wurde das Werk, offenbar aus diesem Grunde, als eines der wenigen in Hemer bombardiert und schwer beschädigt.

 

Ab 1952 wurden unter der Leitung von Hans- Heinrich vom Braucke die Werkshallen umgebaut und neue Maschinen installiert. 1972 ist die Firma an die Gruppe Schmerbeck und Kuhlmann verkauft worden, die mit dem Ankauf von AvB nun das zweitgrößte private Drahtziehunternehmen der Bundesrepublik darstellte. In den 80er Jahren wurden am Standort Ihmert Drähte aus Eisen und Stahl, Feder-, Seil-, Kabel-, Heft- und Flachdrähte hergestellt, sowie Litzen und Seile aus Eisen- und Stahldraht für verschiedene Zwecke (z. B. Aufzugseile). Monatlich wurden von 130 Mitarbeitern etwa 1000 Tonnen Draht hergestellt. 1990 wurde die Schmerbeck- Gruppe von der Saarstahl AG übernommen, die 1992 das Ihmerter Werk stilllegte.

 

Kurz vorher ist die Firma Wilhelm vom Braucke, die im Nachbargebäude (Spätere Firma Nadler) eine Drahtzieherei mit Verzinkerei betrieb, in Konkurs gegangen. 1997 wurde der Gebäudekomplex AvB an einen Kaufmann veräußert, der ihn sanieren und Kleingewerbe ansiedeln wollte. Dies gelang jedoch nicht dauerhaft und im Frühjahr 2002 wurde im Bauwerk ein illegales Reifenlager mit ca. 150.000 Altreifen entdeckt, die wegen der Insolvenz des Besitzers auf Kosten des Märkischen Kreises entsorgt werden mussten. Im Jahr 2007 wurde die Brache zwangsversteigert und die Stadt Hemer sicherte sich die Eigentumsrechte. Seitdem ist das in Teilen akut einsturzgefährdete Gebäude zum Schutz vor Eindringlingen eingezäunt. Die Liegenschaft Wilhelm vom Braucke wurde nach dem Konkurs von der Firma Nadler erworben, die Metallwaren be- und verarbeitet und das alte Gebäude mit Blechplatten verkleidet hat. Als Nadler insolvent wurde, war kurzzeitig die Firma Verna in einem Teil des Gebäudes ansässig, die Platten, Folien und Profile aus Kunststoff hergestellt und mit Maschinenzubehör gehandelt hat. Seit dem Auszug dieser Firma ist das Gebäude ungenutzt. Die Stadt Hemer hat auch diese Liegenschaft im Jahre 2007 aus der Zwangsversteigerung erworben.

 

Zurzeit stehen beide Immobilien leer. Die Gebäude der ehemaligen Firma AvB mit 102.000 cbm umbautem Raum auf 2,1ha Fläche befinden sich in einem abbruchreifen und (nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten) unrettbarem Zustand.

Das Gebäude der Firma Nadler mit 32.000 cbm umbautem Raum auf 1,1 ha ist in ebenso schlechtem Zustand. Auch in diesem Gebäude wurde im letzten Jahrhundert eine Drahtzieherei mit Verzinkerei betrieben. In der Mitte des Komplexes ist ein größerer Dachbereich herabgestürzt und im dadurch entstandenen Innenhof wachsen bereits Bäume. Da die Front des Gebäudes in der Vergangenheit mit Blechplatten verkleidet wurde, ist der schlechte Zustand dieser Immobilie nicht so offensichtlich, wie bei dem Gebäude AvB.

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#47 Anton vom Braucke

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